Die SPD Lichtenrade-Marienfelde lud ein zur Bürgersprechstunde. Zu Schuljahresbeginn lag das Thema auf der Hand: JÜL – Jahrgangsübergreifendes lernen. Die Reaktion vieler junger Eltern zeigte schon beim Verteilen der Einladungen: Mit JÜL können die meisten nicht viel anfangen. Zur Einschulung hatte die SPD an die Erstklässler eine Brotbox und an ihre Eltern ein Schulgesetz verteilt, dabei kam es zu häufigen Nachfragen und er Bitte um Erklärung. Selten gab es Ablehnung, meistens offene Fragen. Im Hintergrund klang bei den Eltern oft die Sorge mit: Wird mein Kind denn genug gefördert, wird es in seinen Lernerfolgen nicht eher behindert?
Die Bürgersprechstunde fand statt am 10. September. Mit Monika Buttgereit als stellvertretende SPD-Landesvorsitzende stand eine treibende Kraft der Schulreform in Berlin zum Gespräch bereit, assistiert wurde sie von Melanie Kühnemann (Schulausschuss der BVV) und Ingrid Kühnemann (BVV) sowie zwei Praktikerinnen, Lehrerinnen der Nahariya-Grundschule in Lichtenrade. Sie berichteten von den Absichten und von den Erfahrungen mit JÜL. Das Prinzip, in den ersten drei Schuljahren zusammen zu lernen, fand bei den anwesenden Eltern Anerkennung. Aber, so war zu hören, halten die schönen Ziele in der schulischen Praxis stand?
Vor allem die beiden Lehrerinnen aus der Nahariya-Grundschule konnten berichten, dass sie inzwischen so überzeugt sind, dass sie JÜL auch auf die Jahrgänge 4 bis 6 anwenden wollen. Die Förderung der Kinder stand immer im Vordergrund, die Fähigkeit, selbständig zu lernen, wurde besser entwickelt. Sie empfahlen, nicht nur zum Tag der offenen Tür eine Schule anzuschauen. Gute Schulen gäben auch die Möglichkeit, einen halben oder ganzen Tag eine Schulklasse zu begleiten. Damit konnten sie auch zweifelnde Eltern überzeugen. Ein Elternpaar wollte seine Tochter auf einer Privatschule anmelden. Nun schauen sie sich die Grundschule ihres Einzugsbereiches an und entscheiden dann.
Gunter Haedke